IGB-Praktikum in Mexiko

Im Frühjahr diesen Jahres ermöglichte das Stipendiatenprogramm der Auricher Wissenschaftstage uns, Viet Trung Nguyen und Hajo Andreeßen, ein einmaliges Praktikum mit einer renommierten, internationalen Forschergruppe des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Im Rahmen dessen haben wir vom 30. März bis zum 16. April 2026 Feldforschung in den Tiefen Mexikos rund um das Thema Schwarmintelligenz betrieben.

Grüner Leguan

Die Forschung

Die Forschungsgruppe des IGB — geführt von Prof. Dr. Jens Krause —, mit der wir in Mexiko waren, gehört zum Exzellenzcluster „Science of Intelligence“ in Berlin. Sie ist spezialisiert auf die Erforschung von Schwarmintelligenz. Dabei steht die Fischspezies Schwefelmolly im Fokus, welche einheimisch in den Schwefelquellen umliegend um Teapa ist und bemerkenswerte Angepasstheiten für das Überleben in ihrem außergewöhnlichen Lebensraum — den Schwefelquellen — entwickelt hat. Die Erkenntnisse dieser Forschung werden genutzt, um künstliche Intelligenz und Maschinentechnik weiterzuentwickeln, aber auch um Fortschritte im Bereich der Medizin zu machen — ein Prozess bezeichnet als Bio-inspired Computation.

die Schwefelquellen — Hacienda Los Azufres (baños)

Unser Praktikum

Im Rahmen unseres Praktikums verbrachten wir zwei Wochen in Teapa, einer kleinen Stadt im Süden Mexikos. Untergebracht waren wir in einer großen Feldstation am Rande der Stadt. Dort hatten wir alles, um uns auszuruhen und um die Technik für den nächsten Arbeitstag aufzuladen und vorzubereiten. Alles weitere wie bspw. Lebensmittel und Utensilien fürs Frühstück, was zum Knabbern oder Hygieneartikel konnten wir in lokalen Supermärkten besorgen.

Wie ein typischer Arbeitstag aussah, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Nachdem wir gegen 8 Uhr aufgestanden sind und in unserer Station gefrühstückt haben, begaben wir uns gemeinsam mit dem Auto zu unserem Arbeitsplatz — den Baños Azufres. Auf dem Weg dorthin versorgten wir uns außerdem mit genügend Wasser und Snacks für den Tag sowie mit Zutaten für unser Mittagessen, welches aus selbst-gemachten veganen Tacos bestand.

unser Mittagessen

Bei den Baños angekommen — unverwechselbar durch ihren starken Schwefel- bzw. Eigeruch — bauten wir unser Equipment auf, wobei sich unsere Arbeit in zwei Bereiche aufteilte: Während sich ein Teil des Teams mit dem Schwarmverhalten der Schwefelmollys beschäftigte (unser primäres Forschungsinteresse), lag der Fokus des anderes Teils eher bei den Vögeln, welche Jagd u.a. auf die Schwefelmollys machen. Im Verlauf unseres Praktikums durften wir in beiden Feldern tätig werden, wodurch es für uns immer wieder Neues zu entdecken gab. Darüber hinaus haben wir uns an Tagen, an denen das Wetter die Arbeit an den Schwefelquellen nicht zuließ, an die Auswertung unserer Daten gemacht, was uns einen Einblick darin verschaffte, wie es nach der Feldforschung weitergeht.

unser Set-up auf der „Insel“

hart am Ackern

Unser Arbeitstag bei den Baños endete in der Regel gegen 16 Uhr. Wir packten unser Equipment wieder ein, belohnten uns mit einem Bad in den Thermen oder einem Eis vom Kiosk und fuhren zurück zur Station. Erschöpft von der Arbeit in der heißen Sonne ruhten wir uns eine bis zwei Stunden aus, bis es Zeit fürs Abendessen war. Dafür fuhren wir ins Zentrum zu einem der fünf langjährigen Stammrestaurants unseres Teams. Schließlich ließen wir den Tag in der Station ausklingen.

An manchen Tagen war nach der Arbeit noch Zeit für kleine Ausflüge übrig. So haben wir gelegentlich Nachtwanderungen in der Umgebung gemacht, um die lokale Flora und Fauna zu erforschen oder haben uns auf der Suche nach den einheimischen Brüllaffen in die Tiefen der Grutas de Coconá in Teapa begeben. Ferner haben wir an zwei anderen Tagen ganztägige Expeditionen zu weiteren Schwefelquellen in der Nähe von Teapa sowie zu den großen Höhlen und Wasserfällen de Villa Luz im Pueblo Mágico Tapijulapa gemacht.

Alles in allem war dieses Praktikum eine unvergessliche Erfahrung, für die wir dem IGB, den Auricher Wissenschaftstagen sowie natürlich dem Gymnasium Ulricianum Aurich unfassbar dankbar sind. Es war ein Erlebnis, das uns unwahrscheinlich viele Dinge gelehrt hat — u.a. wie Feldforschung bzw. Wissenschaft überhaupt aussieht, wie international zusammengearbeitet wird aber auch grundsätzliche Selbstständigkeit  — und uns daher noch lange begleiten wird.                                                                                     

 Viet Trung Nguyen und Hajo Andreeßen

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